:: kirchengründung

 

Die Stiftskirche St. Kajetan im Herzen von München, unmittelbar am Odeonsplatz gelegen, ist neben der Frauenkirche die wohl wichtigste Kirche der Stadt und hat in der Bevölkerung einen sehr hohen Stellenwert. Im Sprachgebrauch hat sich für die Kirche mittlerweile die Bezeichnung Theatinerkirche eingebürgert, da ursprünglich der Theatinerorden dort ansässig war. Heute wird die Kirche von Dominikanern, die das angegliederte Kloster bewohnen, seelsorgerisch betreut.

 

St. Kajetan, eine der frühen und bedeutenden barocken Kirchen in Bayern, wurde nach dem Vorbild von Sant’ Andrea della Valle in Rom, der Stammkirche der Theatiner erbaut. Die bayerische Kurfürstin Henriette Adelaide von Savoyen stiftete 1663 die Erbauung der Kirche, die 1675 eingeweiht wurde.

 

Entworfen hat die Kirche der italienische Baumeister Agostino Barelli aus Bologna. Später leitete sein Landsmann Enrico Zuccalli die künstlerische Ausgestaltung. Vollendet wurde sie schließlich von Vater und Sohn Cuvilliés, die 1768, rund 100 Jahre später, die Fassade gestalteten. Besonders bemerkenswert sind die reichen und üppigen Stuckarbeiten im Innern der Kirche. Aber auch die zahlreichen, kunstvoll ausgestatteten Seitenaltäre machen die Theatinerkirche bis heute zum Magneten für zahlreiche Touristen.

 

Bis zum zweiten Weltkrieg wurde das imposante Kirchenschiff zum Chor hin durch eine monumentale Chorschranke abgeschlossen, die neben einem zentralen Tabernakel links und rechts von einem Portal flankiert wurde. Vor diesen Portalen waren auf Sockeln jeweils zwei Evangelistenfiguren aufgestellt. Der gesamte figurale Schmuck dieser Chorschranke ist ein Werk des Bildhauers Balthasar Ableithner.

 

Weiterführende Informationen zur Kirche finden sich auf der eigenen Homepage der Stiftskirche St. Kajetan: www.theatinerkirche.de

 

 

 

 

 

:: balthasar ableithner

 

Der kurfürstlich bayerische Hofbildhauer Balthasar Ableithner (1613 - 1705) hat für St. Kajetan bedeutende Teile der ursprünglichen Innenausstattung geschaffen. Sein zentrales Werk bilden die monumentalen Holzskulpturen der vier Evangelisten, die vor den Portalen der Chorschranke wachen.


Die kunstgeschichtlich bedeutsamen Figuren entstanden zwischen 1670 und 1672, in nur zwei Jahren und sind die bedeutendste Leistung Balthasar Ableithners. Weitere sakrale Schnitzwerke aus seiner Hand finden sich in verschiedenen Kirchen in München. Keine seiner übrigen Arbeiten reicht jedoch an die Prominenz der Evangelisten aus der Theatinerkirche heran.

 

Ableithner hat vieles seiner Bildhauerkunst von Studienreisen aus Italien mitgebracht. Dennoch ist es augenscheinlich, dass er sich bei der Gestaltung der vier Evangelisten in ihrer körperlichen Präsenz eher an Arbeiten lokaler Vorgänger aus München, wie des früheren Hofbildhauers Hans Krumpper, orientiert hat. Im Gestus und der Innerlichkeit seiner Figuren zeigen sich aber erstmals zaghafte Züge eines neuen Stils, des Barocks.

 

 

 

 

 

:: zweiter weltkrieg

Am Ende des zweiten Weltkriegs war auch München Ziel massiver alliierter Luftangriffe. Die Theatinerkirche blieb von den daraus resultierenden Zerstörungen leider nicht verschont. So wurde die Kirche insgesamt viermal von Bomben getroffen. Im Innern kam es zu Bränden, die vor allem Teile der hölzernen und textilen Ausstattung zerstörten.

 

Da auch die vier Evangelistenfiguren von Balthasar Ableithner aus Holz geschnitzt sind, wurden sie ebenso Opfer der Flammen. Vor dem südlichen der beiden Portale der Chorschranke standen die beiden Evangelisten Markus und Johannes, welche die Brände bis auf geringe Schäden gut überstanden haben. Auf dem Portal selbst stand ein Engel, der mit Ausnahme seiner Flügel ebenso erhalten geblieben ist.

 

Auf der Nordseite waren die Zerstörungen weitaus gravierender. So sind etwa der Evangelist Matthäus und der Portalengel vollständig verbrannt. Der Evangelist Lukas brannte von innen her aus und zerbrach schließlich in mehrere Teile, so dass nur noch rund zwei Drittel der Skulptur erhalten waren.

 

Nach dem Krieg wurden die weitgehend intakten Evangelistenfiguren des Markus und des Johannes auf dem nördlichen und südlichen Querhausaltar aufgestellt, um dort jeweils eine zerstörte Stuckfigur zu ersetzen. Die Architektur der Chorschranke mit Altar, Tabernakel und den beiden Portalen, wurde, obwohl kaum beschädigt, abgebrochen. Die noch erhaltenen Attribute der Evangelisten Markus und Johannes, und die Fragmente des Evangelisten Lukas wurden an verschiedenen Orten aufbewahrt.

 

Heute geben nur noch Archivfotos Auskunft über die Pracht der ehemaligen Chorschranke und ihrer Figuren. Diese Fotos, die noch vor den Zerstörungen des zweiten Weltkriegs aufgenommen wurden, bildeten eine wichtige Quelle für die denkmalpflegerischen Forschungen und die Ergänzungen.

 

 

 

 

:: heutiger zustand

Während der Innenrenovierung der Theatinerkirche, die Ende der 1990er Jahre begannen, wurden auch die beiden Altäre im Querhaus eingerüstet, um sie zu restaurieren. Bei diesen Arbeiten wurden die zwischenzeitlich in Vergessenheit geratenen Evangelisten Markus und Johannes, die nach dem Krieg dort als Ersatz für zerstörte Stuckfiguren aufgestellt worden waren, wiederentdeckt. Löwe und Adler, ihre jeweiligen Attribute, fanden sich in einem der Turmzimmer der Theatinerkirche wieder.

 

2004 wurden die beiden Figuren schließlich wieder von den Altären im Querhaus geborgen. Zusammen mit 1:1-Modellen der verloren gegangenen Portale wurden die Figuren anschließend durch den Lehrstuhl für Restaurierung, Kunsttechnologie und Restaurierungswissenschaft der TU München unter Leitung von Prof. Erwin Emmerling im Chorraum provisorisch wiederaufgestellt.

 

2005 setzte der Bildhauer Joerg Maxzin die noch vorhandenen Fragmente des Evangelisten Lukas in den Werkstätten der TU München wieder zusammen. Auch die dritte Figur konnte somit – wenn auch nur fragmentarisch – provisorisch im Chorraum aufgestellt werden.

 

Der noch erhaltene Engel, der auf dem Südportal gestanden hatte, war nach dem Krieg farbig neu gefasst worden und hatte in Zweitverwendung in der Sakristei seine Bleibe gefunden. Seine im Krieg verbrannten Flügel wurden 2007 in Holz ergänzt, so dass auch diese Figur provisorisch in der Kirche aufgestellt werden konnte.

 

Von 2008 an wurde die Ergänzung der Skulptur des Heiligen Lukas – wie auf dieser Webseite und detailliert in der Publikation „Lukas aus der Asche“ beschrieben – vom 3D-Labor der Technischen Hochschule Deggendorf unter der Leitung des Bildhauers und Professors für 3D-Animation Joerg Maxzin realisiert und 2015 abgeschlossen.

 

Eine Neuschöpfung der völlig verbrannten Skulptur des Heiligen Matthäus, die 2017 aufgestellt wurde, entstand nach Entwürfen des Bildhauers Giuseppe Ducrot. Die Umsetzung in Lindenholz stammt aus der Hand des Bildhauers Gregor Prugger.





Historische Aufnahme der Chorschranke - um 1930

Foto: Bayerisches Landesamt für Denkmalpflege

Kopf des Evangelisten Johannes im südlichen Querhausaltar

Foto: Joerg Maxzin

Blick in das zerstörte Kirchenschiff - nach 1945

Foto: Bayerisches Landesamt für Denkmalpflege

:: english

Montierte Ergänzungen am Lukas

Foto: Technische Hochschule Deggendorf

© 2017 Technische Hochschule Deggendorf

© 2017 Technische Hochschule Deggendorf

© 2017 Technische Hochschule Deggendorf